Malbork – ursprünglich Marienburg – wurde ab 1274 als Hauptsitz des Deutschen Ordens errichtet, jenes geistlichen Ritterordens, der von dieser Burg aus Preußen und das Baltikum beherrschte. Unter Hochmeister Winrich von Kniprode (1352–1382) erreichte die Anlage ihre Blütezeit als größter befestigter Backsteinbau der Christenheit und eines der politisch bedeutendsten Bauwerke Nordeuropas.
Die Burganlage gliedert sich in drei konzentrische Bereiche – das Hochschloss (klösterlicher Kern mit Kapitelhaus und Marienkapelle), das Mittelschloss (Großmeisterpalast, Remter der Ritter mit seiner außergewöhnlichen Palmengewölbedecke, Waffenkammer) und die Vorburg (mit Stallungen und Werkstätten). Nachdem der Deutsche Orden die Burg 1457 an Polen verlor, diente sie als königlich-polnische Residenz, später unter der Teilung als preußische Kaserne, in den 1930er Jahren als nationalsozialistische Pilgerstätte und war 1945 schließlich eine ausgebombte Ruine.
Der Wiederaufbau ab 1950 ist selbst eine von der UNESCO anerkannte Leistung – 70 % des sichtbaren Mauerwerks sind Nachkriegsrekonstruktionen nach historischen Techniken unter Verwendung von so viel geborgenem mittelalterlichem Material wie möglich. Heute beherbergt die Anlage ein Museum mittelalterlicher Backsteinarchitektur, die größte Bernsteinsammlung Polens und einen Ort, an dem die Dimension des Deutschen Ordens tatsächlich erfahrbar wird.